Sechs Jahre spielte Nico van Kerckhoven auf Schalke (134 Spiele/5 Tore) und wurde zweimal Pokalsieger. Nach einem Jahr bei Borussia (19 Spiele) wurde er von Trainer Dick Advocaat mehr oder weniger aussortiert. Die Frage, für welchen Verein an diesem Wochenende sein Herz schlägt, erübrigt sich. Dennoch nennt der heutige Jugendtrainer von Lierse SK Borussia eine „interessante Station“ seiner Karriere und freut sich über die gute Saison des VfL.
Nico, Schalke und Borussia spielen bislang eine sehr starke Runde. Wo geht es für deine beiden Ex-Clubs noch hin?
Nico van Kerckhoven: Von Schalke hatte ich so eine Saison schon fast erwartet. Borussia ist in letztes Jahr fast abgestiegen, da sind die jetzigen Ergebnisse natürlich außergewöhnlich, ich bin jede Woche immer wieder aufs Neue von der Mannschaft überrascht. Als wir mit Schalke 2001 beinahe Meister geworden sind, hatte uns vorher auch niemand so recht auf dem Zettel. Für Borussia ist es vielleicht ein wenig viel, an die Meisterschaft zu denken. Aber man weiß nie, was bis zum Saisonende passiert. Die Borussen haben viel Freude und Spaß am Fußball, das sieht man. Die haben keinen Stress und nichts zu verlieren. Bayern, Dortmund und Schalke hingegen haben mehr Druck und müssen wohl da oben stehen – vielleicht ist das ein kleiner Vorteil für die Gladbacher.
Schalkes Erfolg ist eng mit dem Namen Huub Stevens verknüpft, auch du hast damals vier Jahre lang unter ihm trainiert. Was sind seine Stärken?
Nico van Kerckhoven: Ich habe fußballerisch, aber auch menschlich sehr viel von ihm gelernt. Was ihn vor allen Dingen auszeichnet, ist sein Ehrgeiz. Er ist im Spiel, aber auch in jeder Trainingseinheit knallhart. Er hat von uns Spielern immer vollen Einsatz verlangt, aber auch er war immer zu 100 Prozent dabei. Wie er das Training durchgeführt hat, wie er uns aufs Spiel eingestellt hat – das beeindruckt mich noch heute. Für mich war es eine große Herausforderung, so viele Jahre mit ihm zusammen zu arbeiten.
Legendär ist sein Loblied auf die Defensive: „Die Null muss stehen.“ Zuletzt begeisterte Schalke eher durch begeisternden Offensivfußball…
Nico van Kerckhoven: Ich bin davon überzeugt, dass er auch heute noch vor jedem Spiel in der Kabine steht und sagt: „Die Null muss stehen.“ Es wird ihm auch jetzt noch in erster Linie um eine zuverlässige Defensivarbeit gehen. Jetzt hat er aber auch die nötige Erfahrung in der Offensive im Kader, deshalb stehen sie so weit oben und deshalb treffen sie so häufig.
Wie vor allem Klaas-Jan Huntelaar und Raul…
Nico van Kerckhoven: Die beiden haben im Fußball schon alles mitgemacht und bei den größten Clubs der Welt bewiesen, was sie können. Das sind beide ganz abgezockte Angreifer, die überall Erfolg hatten und einfach wissen, wo das Tor steht.
Wie würdest du deine Zeit auf Schalke zusammenfassen?
Nico van Kerckhoven: In meinem ersten Jahr auf Schalke hatte ich es verdammt schwer. Ich habe eine schlechte Vorbereitung gespielt und bin schwach in die Saison gekommen. Ich stand schnell in der Kritik, auch zu recht, weil ich die hohen Erwartungen an mich nicht erfüllen konnte – ich habe den Verein schließlich auch einiges an Ablöse gekostet. In der Rückrunde saß ich dann häufig nur auf der Bank. Da war ich so frustriert, dass ich nach einem Jahr eigentlich schon wieder weg wollte. Aber Rudi Assauer und Huub Stevens haben mich überredet zu bleiben. Und das habe ich nicht bereut, wir sind eine richtig gute Mannschaft geworden, auf und neben dem Platz.
Und die bei Borussia?
Nico van Kerckhoven: Ich habe in meinem Jahr in Mönchengladbach drei verschiedene Trainer gehabt, da konnte man eine ganze Menge lernen. Zum Vergleich: Auf Schalke hatte ich ebenfalls drei Trainer, aber in sechs Jahren. Für mich persönlich ist es unglücklich gelaufen am Ende: Unter Dick Advocaat habe ich meinen Stammplatz verloren und wurde aussortiert. Da habe ich für mich den Entschluss gefasst, den Verein zu wechseln. Dann aber kam Horst Köppel und ich habe plötzlich wieder regelmäßig gespielt. Da stand mein Entschluss zu gehen aber schon fest.
Du hast genau wie unser Kapitän Filip Daems bei Lierse SK gespielt, aber nie zusammen: Als er in die Erste Mannschaft kam, bist du zu Schalke gewechselt.
Nico van Kerckhoven: Ja, aber bei Borussia haben wir ja zusammengespielt. Hin und wieder haben wir noch Kontakt, er ist ein sehr netter Kerl.
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