So recht wusste Borussias Kapitän nicht, was er auf die immer wiederkehrende Frage der Journalisten antworten sollte. Wie es ihm gelinge, Elfmeter derart souverän auch in hitzigen Phasen eines Spiels zu verwandeln, wollten die Medienvertreter nach dem 2:0-Erfolg nach Verlängerung im Kabinentrakt des Berliner Olympiastadions von dem Belgier wissen. „Ich weiß auch nicht“, sagte Daems. „Ich wollte die Verantwortung übernehmen und habe mit dem Schuss so lange wie möglich gewartet.“

Rund 100 torlose Minuten waren im Viertelfinale gespielt, als Daems am Elfmeterpunkt gefordert war. Zuvor hatte sich eine Szene ereignet, die im Nachhinein für den größten Diskussionsstoff sorgte. Im Strafraum gab es einen Zweikampf zwischen dem eingewechselten und Berlins Innenverteidiger Roman Hubnik. Hertha-Torwart Thomas Kraft hatte den Ball bereits aufgenommen und wollte abschlagen. Sein tschechischer Teamkollege aber rannte auf Borussias Angreifer zu. Es kam zum Körperkontakt, de Camargo fiel zu Boden und Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied auf Strafstoß. Zudem verwies er Hubnik des Feldes. „Er kam auf mich zugerannt, hat mich angerempelt und mich auch im Gesicht berührt. Die Aktion ging von ihm aus, nicht von mir“, so de Camargo, der vor einem Jahr im Bundesligaspiel in St. Pauli selbst nach einer ähnlichen Aktion die Rote Karte sah. „Damals kam auch ein Gegenspieler auf mich zu, ich bin stehen geblieben, er ist gefallen und ich bin vom Platz geflogen. Nachher hat man mir das als Dummheit vorgeworfen.“

Zwischen dieser Entscheidung und der Ausführung des Elfmeters lag eine gefühlte Ewigkeit. Die Herthaner diskutierten mit dem Unparteiischen, wollten die Entscheidung nicht wahr haben und bezeichneten die umstrittene Szene auch nach der Partie als spielentscheidend. So kritisierte Mittelfeldspieler Andreas Ottl sowohl den Referee als auch seinen Teamkollegen Hubnik. „Ich weiß nicht, warum der Schiedsrichter das Spiel so entscheiden muss. Aber Roman muss in dieser Situation auch wegbleiben.“

„Man muss das alles ausblenden“, sagte Daems hinterher zu den Minuten , bevor er endlich zum Strafstoß antreten konnte. Er blieb dem Getümmel fern und versuchte, nicht über die Bedeutung seines bevorstehenden Schusses nachzudenken. Dass die Mannschaft, die das erste Tor schießen würde, dieses Spiel wahrscheinlich auch gewinnen würde, war Max Eberl schon in der Halbzeit klar. „Heute könnte ein Lucky Punch ausreichen“, sagte Borussias Sportdirektor. Wie Daems diesen Lucky Punch setzte, passte zur Temperatur im Olympiastadion. Eiskalt verwandelte der Kapitän, nachdem er Kraft in die falsche Ecke geschickt hatte.

„Schwer getan“

Dass es ein durchaus glücklicher Erfolg in der Hauptstadt war, darin waren sich die meisten Borussen nach der Partie einig. „Wir haben kein gutes Spiel gezeigt“, sagte Stürmer . Insbesondere in der ersten Halbzeit zeigte sich der Bundesliga-Vierte nicht von seiner besten Seite. Der an der Oberfläche schmierige und im Untergrund tiefgefrorene Platz ließ ein flüssiges Kombinationsspiel nicht zu. Zudem spielte Hertha sehr aggressiv. „Wir haben uns schwer getan, Lücken zu finden“, analysierte Trainer Lucien Favre. Im Aufbauspiel unterliefen seiner Mannschaft einige Fehler, immer wieder kam es zu unnötigen Ballverlusten. Die Hertha kam so im ersten Spielabschnitt zu den einzigen Torchancen durch Raffael und Lasogga.

In der zweiten Halbzeit fand Borussia besser ins Spiel und übernahm zunehmend die Spielkontrolle. Die Einwechslung von Igor de Camargo in der 70. Minute belebte das Offensivspiel. Borussia kam jetzt auch zu einigen Torgelegenheiten. Hertha blieb aber gefährlich, beispielsweise als Niemeyer den Pfosten traf. „Wir wussten, dass es extrem schwer werden würde. Die zweite Hälfte war aber besser für uns. Insofern ist der Sieg nicht unverdient“, resümierte Favre. Am Ende stand auch die Erkenntnis, dass man auch schwächere Spiele gewinnen kann. „Wir können besser spielen. Aber im Pokal zählt das Weiterkommen. Da ist es egal, ob man gut spielt oder sich durchkämpft“, sagte Dante.

Sein Trainer lenkte noch am Mittwochabend die volle Aufmerksamkeit bereits auf das nächste Bundesliga-Spiel am Samstag gegen Schalke 04 (Anpfiff 18.30 Uhr im BORUSSIA-PARK). „Das ist eine der besten Mannschaften der Liga mit einem unglaublich großen Potenzial. Wir müssen eine Top-Leistung bringen, um sie zu schlagen“, so Favre. Die 30-minütige Zusatzschicht in der Hauptstadt sollte keine negativen Auswirkungen auf die Begegnung haben. „Dass wir hier in die Verlängerung mussten, wird für das Spiel gegen Schalke kein Problem sein. Wir sind konditionell gut drauf“, versicherte Daems.

Auslosung am Samstag

Nach dem Spiel gegen die Gelsenkirchener bekommen die Borussen auch Klarheit, auf wen sie am 20. oder 21. März in ihrem ersten Pokal-Halbfinale seit 2004 treffen. Ab 23 Uhr werden die Begegnungen im ZDF-Sportstudio ausgelost. Mit dem 15-maligen Rekordpokalsieger FC Bayern München und dem amtierenden deutschen Meister Borussia Dortmund befinden sich die beiden Top-Mannschaften der Bundesliga im Lostopf. Hinzu kommt mit Zweitligist Greuther Fürth ein Überraschungsteam. „Einen bestimmten Gegner wünsche ich mir nicht, aber natürlich hoffen wir auf ein Heimspiel“, sagte Daems. Als Glücksfee fungiert die deutsche Fußball-Nationalspielerin Kim Kulig.

Der VfL-Tross übernachtete in Berlin und bestieg am Vormittag den Flieger Richtung Heimat. Nach der Rückkehr in Mönchengladbach stand noch ein Auslaufen an. Morgen Nachmittag findet das nicht-öffentliche Abschlusstraining statt, an dem wohl alle Borussen teilnehmen werden. hat seine Grippe auskuriert und den Pokalfight in Berlin überstanden alle Borussen ohne schwerere Blessuren. Lediglich Marco Reus klagte über Leistenbeschwerden und blieb deshalb heute in der Kabine.

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